März                
VII.               
Nimm eimal an: Ein Mensch nur wäre Gott!
Welch' hohe Freude hätte schon der Mensch!
Den Menschen freut es so wie jeden Künstler.

Wenn ihn ein andrer nachahmt; wir verzeihn ihm
Nicht nur, wir lieben ihn sogar. Und wer
Nun unsre Werke also priese, also
Verehrte, schätzt' und liebte, daß er gar nicht
Sich mehr von ihnen trennen möchte, immer
Sie gern am Herzen trüge und im Geist,
Wie Menschenkinder Gottes Werke tragen —

Welch' eine hohe Freude hätte schon
Der Mensch, der Gott wär'! — Und nun siehe klarer:

Ein jeder Mensch hat wirklich so viel Freude
Und ist so groß, als er den Gott begreift,
Und Gott ist das — was wir nicht fassen können!
Sein eignes Wunder, selbst das Nichtbegreifen!

Welch' hohe Wonne hat nun Gott an uns,
Die wir uns von der Wiege an bis hin
Zum Grabe kindisch-kindlich Tag und Nacht
Mit seinen Sachen abmühn, schleppen, selber
Sie uns entreißen, liebend daran üben!

Drum läßt er seine Werke immer Dauern,
Auch jene Werke — die wir selber sind!

————————                       
Orginalfassung                         
 


Bearbeitung: Horst Georg Padelt - 2006