P a l m e r i o.


23. Mißverstandne Sehnsucht. Bathory erscheint.


Ein glücklicher Gedanke gab ihn endlich ein, nach seiner Vaterstadt zu reisen. Palamedy war willig; er hatte Mitleid mit seinem, obschon ihm verborgenen Zustand. Elisabeth reisete mit. Palmerio zeigete ihr die wunderliche Stadt. Sie konnte nicht genug erstaunen; ihn aber ärgerte alle Pracht und Schönheit. Venedig war untergegangen, und doch nicht verschwunden. Die schönen Frauen, über die Stufen der Brückchen anmutig steigend, der reinlich gewordene Dogenpalast; Pulcinella der auf dem Markusplätzchen
(la Piazette) alle Abende lustig fort krähte; die Trompeten von der Logetta, die dem versammelten venezianischen Volke den Gewinn von wenigen Liren im Lotto verkündigten; Alles ärgerte ihn. Er segnete die schwimmende Stadt vom Markusturme, und schied. Von da ging er mit Elisabeth nach Rom. Er sahe im St. Peters Hause, dem Hauptaltar zur Linken, fremde, weit her gewanderte Pilger hinknieen, die lange Gerte aus den Beichtstühlen sich hervor strecken, und mit dem Schlage auf ihr gebeugtes Haupt, sie entsündigen. Als auch Er hinknieen wollte, sah er plötzlich einen roten Hut, und gedachte Bathori's, eilte nach Neapel und nach Messina, wohin er sein Schiff von Venedig geschickt, und rüstete sich zur Heimkehr. Vier junge vorzügliche Teutsche, alle brave Architecten, meldeten sich bei ihm zur Überfahrt. Er nahm sie mit.



Bearbeitung: Horst Georg Padelt, 2006