P a l m e r i o.


8. Die blassen Wangen und das rothe Mützchen.


Was ist schön, wie blasse Wangen? Blaß vor Wonne, vor Verlangen! sang Palmerio einige Tage später, seine schöne, zärtliche Elisabeth sanft mit zwei Fingern in die Wange kneifend. Sie schlug die Augen nieder, und erröthete holdselig. Da sang er die letzten zwei Verse:

Schöner sind die rothen Wangen!
Roth vor Schämen, vor Befangen! -

Und wer hatte nicht wenigstens die ersten Tage, um bescheiden zu seyn, mit ihm theilen wollen? Aber sie lassen sich nicht theilen, selbst unter dem glücklichsten Paare nicht! Sie sind nur dadurch Seligkeit, daß sie B e i d e gleich genießen, sich gönnen und gewähren. Die Seligkeit eines Einzelnen, Einsamen, ist keine. Darum hat Gott die Welt geschaffen! würde Bathori sagen. - Um außenstehende unsichere Gelder einzutreiben, und gewisse Verbindungen anzuknüpfen, andere fortzusetzen und fester zu ziehen, welche die Umstande nöthig machten, oder doch dem Vater nöthig zu machen schienen, mußte Palmerio nach einigen Wochen sich aus den Armen seiner süßen Elisabeth reißen, und seine erste Reise mit den Schiffen antreten. Er fragte Bathori, ob er ihn ferner auf seinen Wasserfahrten begleiten wolle.

* Die griechische Braut muß, zum Zeichen ihrer Unschuld, ein mit Leder bespanntes Sieb eintreten. Anm. d. Red. [So das Taschenbuch zum geselligen Vergnügen auf das Jahr 1823. Das scheint uns - B.C./L.C. - nur die halbe Wahrheit; es ist auch ein Zeichen der Entschlossenheit, die Unschuld zu verlieren; vgl. Palmerio's Auftaktzeilen dann.]

Bathori machte eine stolze Miene mit seinen alten römischen Maskengesicht. Habe ich nichts vom alten würdigen Cato? fragte er.
Wie kann ich das wissen! erwiederte Palmerio.
Bathori versicherte ihm: ich aber weiß, daß ich Eins gewiß von ihm habe, nämlich seinen Muth, niemals zu Wasser zu reisen, wo ich jemals zu Lande hinkommen kann! Und auf dem Meere sind keine Osterien! singt Harlekin in Sicilien; ich hab' ihn gehört, wahrhaftig! Nun so ziehe in Frieden! sprach Palmerio, Deinem Handwerke nach! Ich schenke Dir meine Doctorsachen; nur Weniges hab' ich für unser Haus davon genommen. "Tausend Dank! für die Werkzeuge mich und andre zu plagen," bedankte sich Bathori, und nahm auch das rothe Käppchen von seiner Platte, das er landesüblich zu tragen pflegte. Er hielt es mit zwei Fingern an der schwarzseidenen Bammel, und besah es fast wehmüthig. Mein Vater, Gott verzeih' ihm den Titel! fuhr er fort, stolzirte mit seinem rothen Hute gravitatisch durch Rom. - I c h muß mit dem rothen Mützchen erbärmlich durch die Welt laufen, mit dem leeren rothen Mützchen, daran nichts hängt als die Bammel. Ich red' als Römer! - Das sollst Du nicht, mein alter Bathori. Ich bin Dir noch die Gebühren für Deine Prophezeihung schuldig! sprach Palmerio, und füllte ihm das Mützchen gehäuft voll von seinem ersparten Gelde; lauter blanke Colonnaten, und oben drückte er, wie ein Siegel, noch ein großes Goldstück darauf. Wer auch so geben könnte! seufzte Bathori. Geben ist seliger denn Nehmen; versetzte Palmerio. Bathori packte das Geld ein, setzte sein rothes Mützchen wieder auf, und sagte: Sehr richtig! Das Wort soll Deinetwegen dreimal wahr seyn. Aber siehe nur auch mich an! und lies in meinem Gesicht, daß der Satz gar nicht ausschließt, daß Nehmen nicht doch auch - wenigstens selig sey! Ich rede als Römer. Mag Dir's selig seyn und wohlthun in Deinen alten Tagen, lieber Special! Lebe wohl, und gedenke - wenigstens - meines Namens, sprach Palmerio, und drückte dem redlichen Freunde die welke Hand zum Abschiede. Wo ich eine Palme sehe! oder nur eine Dattel esse, will ich sein und Dein gedenken, Palmerio! versicherte scheidend Bathori. Er wollte sich durch die Städte und Dörfer an den Küsten fort bis nach Smyrna curiren. Palmerio segelte nach der Stadt.



Bearbeitung: Horst Georg Padelt, 2006