—    

—  S e l i g k e i t  —                  

Gott freut sich selbst auch  d a ß   e r   i s t , sonst freute
Der Mensch sich auch nicht, daß er jetzt ein Mensch ist —
D e s   M e n s c h e n   F r e u d e   i s t   d e s   G o t t e s   F r e u d e !
Sonst freute was da lebt sich nicht des Lebens —
Es freut sich nur des Gottes Da- und Hierseins,
Der Wesen Freude ist   d e s  W e s e n s  F r e u d e !
Des Gottes Freude  aber, daß er ist,
Die ist des Gottes   U r r e l i g i o n :
D i e   L u s t   zur Liebe und zu guten Werken,
Die schöne Sittlichkeit ist Gottes Freude
Und Gottes Freude ist des Menschen Freude
Und Gottes Seligkeit die Seligkeit
Des Menschen, als des eingebornen Gottes.
W e r   h i e r   n i c h t   s e l i g   i s t ,   d e r   w i r d   e s  n i r g e n d ;
Wodurch denn will der Mensch je selig w e r d e n ?
Die Seligkeit ist kein Geschenk und ganz
Unschenkbar, unverdienbar, keine Gnade,
Sie ist kein Preis, kein Lohn für gute Thaten,
Ja nicht dafür: das Leben aufzuopfern
Um alle Menschen von dem Tod zu retten.
Die Seligkeit ist eine E i g e n s c h a f t ,
Ein Eigenthum des Geistes; ist Anlage,
Die so, wie jedes göttliche Talent
D e r   M e n s c h   sich nur ausbilden darf, das alles
Entfernen was die reine Kraft verdunkelt.
Denn glaubst du, wird  d a s   G o l d  wohl je gereinigt?
— Die Schlacke wird nur von ihm ausgeschieden
Und glaubst du, klärt  d i e   S o n n e  je sich aus?
— Es weht die Luft Gewölk und Dunst nur von ihr!
Und glaubst du,  w i r d   d i e   S e e l e  j e   erst selig? . . .
Wer ist denn S e e l' und Geist des Menschen? — G o t t.
Und Gott ist selig; denn er schaut und fühlt
Und lebt dann göttlich . . . . und vom Menschen sind
— So wie der Dunst und Wolken von der Sonne —
Die Hirngespinste alle weggehaucht,
Und wie die Sonne strahlt sein reiner Geist
Und schaut und glüht in seiner Seligkeit.

Leopold Schefer