Horst Georg Padelt: 

Das Laienbrevier . . . vergessen?

Ich fand es neulich bei einem Patienten, dem nach einem arbeits- und konfiktreichen Leben mitgeteilt wurde, daß er Krebs habe.

Das ließ mich schon nachdenken und grübeln. — "Bilanzhaltung"? — "Selbstfindung" — "Sinnsuche" — Suche nach besserer Leidensfähigkeit — Coping — Sanogenese . . .

Meine Gedanken: Suche nach dem ICH, Suche nach dem Sinn des Lebens? Sich finden!

Mir stellt sich die Frage: "Wie kann Gesellschaft und Gesundheitswesen den Dienst an traumatisierten und kranken Menschen besser gestalten?" Das ist wohl ein aktuelles und unbedingt wichtiges Thema!

Man erlebt es doch immer wieder: Da sitzen sich ein erfahrener Arzt und engagierter Christ und ein erfahrener Theologe und engagierter Psychotherapeut gegenüber  . . . .

Da schreibt ein russischer Theologe über Psychotherapie bei Gläubigen der Russisch-orthodoxen Kirche  . . . .  

Ein christgläubiger kranker, leidender Mensch bittet den Pastor zu sich: Ich brauche deine Hilfe; bau mich wieder auf . . . .

Ein namhafter Theologe sagt, man müsse der Religion eine psychotherapeutische Dimension geben.

Ärzte bemühen sich die Krebserkrankung zu entmystifizieren  . . . .
* * * * *

Psycho-Onkologie, Psycho-Cardiologie entwickelten sich zu  eigenständigen Disziplinen.

Leben und Tätigkeit des Menschen unter Extrembedingungen bedarf  eben psychologischer und sozialer Hilfestellungen . . . .

In allen diesen Fällen geht es darum, den Zugang zur "Weltsicht" des Menschen trotz schwerer, oft unheilbarer Krankheit, trotz schwieriger oder auswegloser Lebenssituation zu erhalten und um eine optimale Psychotherapie und Spiritualisierung der eigenen Lebensituation, um Selbstfindung, um Hilfe bei der Selbstanalyse und Eigenbewertung  . . . . . . . . um Lebensqualität, um Erhaltung von Lebenswillen und Leistungsfähigkeit, um Leben zu leben.

Und was in unserer von Religiösität weit abgerückten Gesellschaft  ? ? ? 

Bernd-Ingo Friedrich macht auf den Tierforscher Alfred Brehm (1829 - 1884) aufmerksam, der das "Laienbrevier" auf seinen Reisen in Afrika mit sich führte . . .

Es geht doch darum, über das subjektive Erleben und Verhalten des Menschen dessen spirituelles Leben, dessen menschliche Selbstwahrnehmung, Selbstanalyse und Eigenbewertung zu unterstützen und zu bereichern sowie die Auswirkungen anderer psychologisch relevanter Faktoren wie Stressbewältigungsfähigkeit, seelisches Wohlbefinden, soziale Kompetenz u.a.m. sanotrop zu beeinflussen, — zu heilen —.

Es geht um Rehabilitation als Mensch mit den für die durch schwierige Lebenssituationen, durch Schicksalsschläge und Krankheit beeinträchtigte Persönlichkeit in ihrer Individualität mit allen geeigneten Mitteln und Methoden, es geht um Hilfe derer man bedarf . . .

Ich achte als Arzt darauf, dass der Patient wieder seinen Weg ins Leben findet, bzw. wieder in Gang kommt. Das kann erreicht werden, indem der Patient Vertrauen in seinen Körper, — in sich selbst — überhaupt erst einmal aufbaut oder verstärkt. Dann muss dieses Vertrauen in seine Emotionen und Motivationen aufgebaut und gestärkt werden: "Selbstbewußtsein stärken! . . . . " Nur Selbstbewußtsein ist das wahre Licht  . . . .

Hat Leopold Schefer nicht die natürliche Art des menschlichen Spiritualisierens für die moderne Zivilisation wiedergefunden, wiederentdeckt?

Sein Laienbrevier - ein Meisterwerk der Achtsamkeit und Menschenliebe. Das ist für den Menschen "Rückgabe" dessen, was uns moderne Kommunikatiion, technischer "Fortschritt", Television, Berieselung durch Massenmediien weltweit - bis in das letzte Beduinenzelt in der Wüste - bis ins letzte Krankenzimmer, heute nimmt:
Selbst zu sein, innehalten zu können, sich selbst finden zu können, aus der Stärke des  Ich's schöpfen zu können.

Denke man doch an die Spiritualität der Naturvölker . . . .Bedenke man doch die Einvernahme der Spiritualität des Yoga, des Qi Gong, des Raiki, des TaiChi, der Meditation in die moderne Rehabilitationsmedizin !

Denke man doch an die Lebenssituation eines Schwerkranken, dessen Hoffnung zu leben, dessen gefordertes Vertrauen in Hilfe, dessen Lebensmut, und seine Kraft zu leben ! 
So kann Leopold Schefer in dieser Sichtweise mit seinem Hauptwerk „Laienbrevier“ einen hervorragenden Platz einnehmen!