C.D.F. Der Wanderer über den Wolken

Das Laienbrevier des Leopold Schefer aus Muskau in der Oberlausitz

Ich stelle dem Muskauer Dichter Leopold Schefer den "Erfinder der Romantik" — den Greifswalder Maler Caspar David Friedrich zur Seite. Beide im Leben sinnsuchend, dem Leben sinngebend; der eine in Bildern, der andere in Sprüchen. Bilder kann man sehen und hunderttausende sehen sich die Bilder des C.D.F. an (Hamburger C.D.F. — Ausstellung-2006); Schefer muß man lesen, Sinn und Sinnhaftigkeit erkennen; das macht Mühe. Mühe macht auch C.D.F. zu erkennen, was er gedacht und empfunden hat, aber man kann es ansehen und nachwirken lassen.

Das Laienbrevier von Leopold Schefer und viele andere seiner Sprüche und Gedichte sind meist nichtgereimte Verse (häufigster Kritikpunkt an L.S. — — —), sie sind gereimte Gedanken, die einen schönen Sinn geben, Geist und Seele erbauen, aufrichten . . . nicht schlechter als Bibelworte es bei modernen Menschen vermögen.

Schefers "Gedanken-Sprüche" sind aus dem "I C  H"   des Leopold Schefer wie aus einer Quelle entsprungen. Sie sind in ihrer Gesamtheit das Credo einer mit sich selbst, mit der Welt und dem Lauf der Welt ringenden Dichterpersönlichkeit. Sie sind authentisch, nicht irgend-wo entliehen, sondern im ICH des Leopold Schefer gewachsen und dadurch für jeden sinnsuchenden Leser sinngebend und "ICH-stärkend". Das ist der große Wert der Schefer'schen Spruchdichtung!

Ich wünsche den Schefer-Lesern ein aufmerksames und empfindsames Herz.

Sie werden sehen, welcher Reichtum an zutiefst menschlicher spiritueller Erfahrung und menschlicher Weisheit in diesen Sprüchen verborgen ist.



  

 Das Credo des Leopold Schefer

"Die Natur ist mein Paradigma - - - Naturerkenntnis"


 :„Mein Paradigma ist die Natur“ [Tagebucheintragungen . . .]
 : „Ich beuge meine Knie nicht vor Gott“ TB II:44
 : Das Credo des L S ist im Laienbrevier zu erkennen . . .
 : Achtung, ja Erfurcht vor der Natur, dem All, dem Gotte des Alls;
      des Göttlichen in Allem.
 : Hochgeschätzt das Buch der Bücher — die Bibel eben ein Buch;
 : Hochgeschätzt, geliebt: Jesus Christus — s. Spruch dazu;
 : Das Credo des Nazareners akzeptierend,
 : jedoch sein Credo entgegensetzend!
 : Naturerkenntnis . . . .
 : Da reift ein Junge in dem Lausitz-Städchen Muskau heran . . .
 : Den größten Kosmosdenker der Neuzeit — SPINOZA — studierend . . .
— — —
 : Jeder Mensch prägt im Laufe seiner wechselvollen Lebensgeschichte auch seine eigene Weltsicht, seine religiös-spirituelle Biographie.

 : Das seit Kopernikus beginnend ("Harmonia mundi"), seit Galilei verstärktsich herausbildend und seit Darwin dramatisch angespannte Verhältnis von Naturwissenschaft und Glauben, sich verschärfend durch die Hegelschüler, Karl Marx und Friedrich Engels, die Ihren Lehrer vom Kopf auf die Füße stellten und damit alles auf den Kopf stellten — ; das hatte die Abschaffung des Glaubens und der Spiritualität im 20. Jahrhundert durch den wissenschaftlichen Materialismus und durch materialistische Staatsdoktrinen durch Ersatzreligionen und Personenkult zur Folge.
Siehe ERNST BLOCH — der Marxist und die Metaphysik in seinen Werken
    
— — "Das Prinzip Hoffnung" — —

— — "Atheismus im Christentum" — —

Die Erkenntnis im 21. Jahrhundert, daß es in einer sich materialistisch gebärdenden Welt ohne eine Religiosität, Spiritualität weder im realen Kapitalismus heute — noch im real gewesenen Sozialismus geht, wird gegenwärtig — zum Beginn des 21. Jahrhunderts — deutlich, wie nie zuvor in der modernen Gesellschaft. Der Durst nach "Lebensqualität" in unserer Zeit bei Jung und Alt ist ohne eine Zuwendung zu Spiritualität nicht zu stillen. Spiritualität heute ist Lebenshilfe heute.

LEOPOLD SCHEFER hat hier mit seinem Laienbrevier auch heute im 21. Jahrhundert seinen Platz. "Der Mensch lebt nicht von Brot allein" ist eine uralte Erkenntnis, — Zitat: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht."
Matthäus 4,4

"Naturerkenntnis" — Erkenntnis der menschlichen Natur — Leopold Schefer war mit seinem Credo seiner Zeit weit voraus . . . . nicht obsolet!


Das Laienbrevier - Das Credo des Leopold Schefer! — — Man muß es langsam und bedächtig lesen . . . . und das gerade paßt nur schwer in die heutige Zeit, in der man das Schreiben langer Briefe verlernt hat und alles schnell per Handy erledigt wird. SMS statt Brief. Die neuen Lesegewohnheiten: kurze Texte, kurze Sprüche verändern weltweit bei der Jugend die Wahrnehmung der Welt und des Lebens. Deswegen ist es sicher sinnvoll die komplizierten Gedanken-Texte Leopold Schefers im Laienbrevier des besseren Verständnisses, der besseren Erfaßbarkeit von Sinn und Wesen der Sprüche wegen zu gliedern, den neuen Lese- und Kommunikationsgewohnheiten anzupassen. Text und Sinn des Textes werden nun erfaßbar, lesbar: Beispiel März XXVII


                     
[ Laienbrevier März XXVII]


Die Menschenherzen gleichen Diamanten;
                                   Sie werfen gern das Göttliche aus sich
                                                                   Hinaus, und hängen es dann Einem an,
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Hier Diesem und dort Jenem, und nur draußen
                                   Als Farben schaun sie fröhlich ihren Strahl,
                                                                   Das lassen sie sich in dem Schein erscheinen.
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Du, gib dem Menschen keine Leinewand;
                                   Er malt sie voll! und ist das Bild auch sein,
                                                                   Und ist es sein Bild -- ist es doch sein Wahn!
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Der Glaube darf nicht wie die Liebe tun:
                                  Sich selbst versetzen und im Bilde leben;
                                                                   Darum vermische Glauben nicht und Liebe!
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Nur Selbstbewußtsein ist das wahre Licht.
                                 Glaub' an den Gott, doch nur an Gott als Gott,
                                                                   An alles Andre glaub' als Göttliches,
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M e n s c h,
                                Glaube auch an dich, und alle Menschen,
                                                                     In allen Diamanten glaub' ans Licht
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(Das wären s e c h s SMS !)



Leopold Schefer
- Laienbrevier -
Mai
VII.
Wonach das Leben zählen? und nach welchem
Ereignis draußen, oder in der Seele?

Das ganze Leben selbst hat kein Ereigniß,
Das sichtbar wäre; nicht das Kind, der Jüngling,
Der Mann, der Greis erreicht wo einen Zweck,
Ein andres Menschenziel — als Menschen-Leben!

Sie lassen alle irgentwo ein Mahl
Zurück, nicht eine Haut, wie eine Schlange;
Nur Endlich läßt der Sterbende — den Todten!

Sie schweben leis durch die Verwandlungen,
Unmerklich Andern, und sich selbst unmerklich
So unter stets derselben, jungen Sonne.

Nach reizenden Gesichtern, wilden Nächten,
Ja selbst nach guten Thaten zählt kein Edler;
Der Beste kann nur Weniges verrichten.

Wonach das Leben messen? Nach den Jahren?
Der Freunde Innerlichkeit? Können Bilder
Der schönsten Stunden wohl die leeren Wände
Des Alters decken? Läßt das, was noch kaum
Erinnerung, Begnügen ist, sich gnügend
Wie Gold, durch Leiden bis zum Grabe ziehen?

— Vergeblich ist die Rechnung mit dem Gott!
Doch womit sich das Leben füllen läßt,
So, daß zu jeder Stund' es reich und ganz ist?
Von außen kommt dem Menschen nie sein Glück;
Der Reiche kauft vergebens seine Freuden;
Der Hohe steht so hohl wie oft der Arme —

Wohlwollen füllt die Seele aus, und stetig,
Schön und hülfreich Andern, süßerquickend sich;
Der Gute hat den Lebensquell in sich,
Womit er labt, so weit er reichen kann
Von früh bis in die Nacht, und selbst im Traum

Hält er den Becher noch! Er sieht; er hört;
Er bleibt; er reiset; er ist jung; er altert;
Ist alt; ist arm — reich mit dem immergleichen
Wohlwollen, mit dem  h e i l i g e n   E n t z ü c k e n
A n   d e s   u r s c h ö n e n  G o t t e s   s c h ö n e n  W e s e n.

Für die er, als ein wahrer Liebender
Bereit zu sterben ist, bereit zu Leben!
Nicht Güter hat das Leben ihm, nicht Zweck,
Solch Leben selber ist ein heilig Gut
Auch Gott', wie jeder Sonnenstrahl bezeugt.

Mit Namen nennt' ich es: Naturerkenntniß;
Denn Liebe wird aus ihr, wie Frucht und Blüthe.

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Das Credo der Sprüche ist:
„Gott ist überall und alles ist göttlich und darum ist alles gut, alles geschieht zur rechten Zeit, alles gedeiht zum wahren Glück des Menschen, auch das Unglück und der Schmerz. Denn nur der Mensch kennt das wahre Leid und leiden-können ist echt menschlich, Mensch-sein aber ist göttlich.“*)

*)   von Bernd Ingo Friedrich zitiert in seinen Betrachtungen über Leopold Schefer.


Leid in der Sichtweise des Leopold Schefer!

"Das Leidenkönnen"! "Das Glück des Menschen"!

"Das Menschsein"! "Das Menschenleben"!
"Der Gott" !

"Die Zwiesprache des Dichters mit der Natur"— "Naturerkenntniß" des LS —   es ist die göttliche "Natur" des Menschen! "Leid des Menschen"! "Menschliches Unglück und Schmerz"! - das Thema aller Religionen.


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