Arno Schmidt über Leopold Schefer - 1961



Zweierlei Arten von Werken brechen sich selbst ihre Bahn : Die Schöpfungen der ganz großen Dichter, im Lauf der Jahrhunderte; und, bestsellerhaft= quick, der Edelkitsch. Deshalb ist es wichtig für das Schaffen der Guten Meister zweiten Ranges einzutreten, die sonst oft, unbeachtet, durch die Dünung der Jahrzehnte an die Ränder des Literaturmeers gespült werden. Der normale Leser sieht sie nie. Der Germanist verzeichnet bebrillten Gesichts und plombierter Zunge, das verschollene Jahr ihres Erscheinens, Titel und Seitenzahl. Der Selbst=Schreibende bestiehlt sie, und schweigt. So stehen die Bände und Bändchen, und harren ihrer Atombombe entgegen. – Noch bin ich nicht faul oder blasiert genug, auf ein großes Meteor mit mit dem Finger zu zeigen.


Leopold Schefer   -   ein Meteor


Leopold Schefer
Leopold Schefer
Leopold Schefer
Leopold Schefer
Leopold Schefer
Leopold Schefer
Leopold Schefer

Leopold Schefer

Leopold Schefer

Leopold Schefer
Leopold Schefer

Leopold Schefer

Leopold Schefer

Arno Schmidt (1961): "Ein orthodoxer Christ würde ihn -ungläubig-, und -links- nennen? Genau. — Nach 1850, als bei uns, wieder einmal, die Reaktion im größten Stile einsetzte, haben ihm Gegner immer wieder die "merkwürdige Mischung feindseligen Hohns gegen Staat und Kirche, und tiefen innigen Gefühls für Glück und Bedeutung und Segen der Familie " bescheinigt.

Arno Schmidt (1961): zitiert Leopold Schefer: "Die Kunst wird am Ende alle Völker, alle Sinne vereinigen. Ihre Wahrheiten sind unleugbar, ihre Schönheiten Jedem fühlbar. Sie ist ein Kind des Menschen, eines Kindes der Natur: sie ist, rein menschlich, die einzig wahre Religion für den Menschen, zu der sie sich Alle bekennen sollten, und werden."

Arno Schmidt (1961): über Leopold Schefer:

„In seinem Nachlaß fand man eine versiegelte Rolle, in der man noch eine wunderliche Schrift vermutete. Als sie eröffnet ward, sah man ein wunderbares Bild: Es war ein über alle Worte erhaben schönes Antlitz; ein Kopf - ja, nichts als Gesicht, mit großen, reinen, unaussprechlich wichtigen Augen, aus dessen Zügen die zärtlichste Liebe quoll. Ja, es fehlten in den Wangen die Grübchen nicht. Reiches Haupthaar umfloß das Gesicht, und verfloß darunter, in den vollen, breiten, lockigen Bart, der in einer Spitze schloß - nicht in zweien, wie sonst die Jesusbilder! / Dieses wunderbare, überirdische, göttliche Gesicht umschloß, über den Scheitel hinweg, an den Wangen herab, und unter dem Barte sich wieder vereinend, ein Blumenkranz, von bekannten und unbekannten Blumen. Das colossale Ganze war bloß in Gold gemalt : wie in der Weise punktierter Kupferstiche waren alle Züge, — Augenbrauen, Augensterne, Lippen und Lochen des Barts lauter Sternbilder ! Nebelflecke und Milchstraßen. -
In der Verschlingung einer Winde fand sich die Sonne — und, als 1 kleiner Goldpunkt die Erde!“

Quelle: Arno Schmidt: "B E L P H E G O R - Nachrichten von Büchern und Menschen" S. 180 - 229: "Der Waldbrand / oder Vom Grinsen des Weisen"
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1961.
  
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